Poesie

Wie die Poesie in mein Leben kam...

Ich bin davon überzeugt, dass es für jeden Menschen gut ist, eine Form des Ausdrucks für sich zu finden. Das Innere ins Außen transportieren, sich und die Welt dadurch (besser) verstehen, bisher Formloses „anfassbar“ und damit bewegbar machen, Entlastung erfahren, vielleicht sogar andere Menschen berühren.
Das macht Kunst (aus).

Mir persönlich hat die Poesie das Leben „gerettet“.

2008 schrieb ich oder schrieb sich das erste Gedicht. Selbst völlig von Ereignissen erschlagen und überrollt, fand ich überraschenderweise Hoffnung und Halt, wo vorher nur bodenloses Fallen war.

Da sich über die Jahre immer wieder gezeigt hat, dass es Menschen gibt, die meine Poesie schön oder hilfreich finden, teile ich hier immer wieder neue Texte und auch ausgewählte vergangene.

Mir erzählt die Poesie seit dem schicksalhaften Tag in 2008 etwas über mich und die Welt und wie Heilung aussehen kann. Und wenn hier auf dieser Seite mal jemand landet, der etwas – vielleicht sogar verzweifelt – sucht und auch etwas findet, dann macht mich das zum glücklichsten Menschen der Welt.

Und so starte ich hier mit meinem allerersten Gedicht, das aus dem „Nichts“ kam…

C (Bildmarke)

Abgründe I-V

I
Als du kamst
Nahmst du uns alles
Es wurde dunkel um uns

II
Abgrund,
Ein Fass
Ohne Boden
Ohne Boden
Ohne Boden
Ich sei
Du seist
Ein Baum

III
Du verlierst dein Rückgrat
Ich verliere eine Niere
Angst tropft aus dem Kreuz
Uns

IV
Tabletts abgestellt
Balance im freien Fall
Es geht
Weiter

V
Als du gingst
Gabst du uns alles
Wir sind Licht

2014

Wenn’s sein muss, auf Kamelen

Ich möchte dir sagen:
Dass du gewachsen bist.
Dass du dem gewachsen bist.
Dass du dem entwachsen kannst.
Und dass da eine ganze Karawane
Jede Wüste mit dir quert
Das Wasser im Blick
Gerade im Wesen
Was gewesen ist
Das ist gewesen
Nun sammle deinen Ekel ein
Und deine Scham von innen
Steck deine Grenzen neu
Und schnapp dir deinen Besen
Und dann kehr alles raus
Was nicht zu dir gehört
Und alles was sie nahmen
Deine Unschuld
Dieses weiße Blatt
Papier
Hol’s dir wieder
Spann dein Wesen auf
Schmeiß sie alle raus
Und gebär dich neu
Neu neu!
Wie du gedacht
Wie du dich liebst
Wie du im Spiegel
Nur dich selber
Schönstes Wesen!
Siehst
Denk nicht zurück
Denk nur nach vorn
Denk dich größer
Denk dich Zauber
Denk dich
Wie ein Wirbelwind
Der sich dreht
Und deine Welt
Jetzt endlich mal
In Ordnung
Weht
Denk:
Du bist ein Wunder!
Denk:
Du bist die Rettung
Und die Lösung
Denk:
Du bist genesen.
Was gewesen ist
Das ist gewesen

2017

Die sich aufrichten, wenn sie fallen

Subtrahier Scham
Und Reue
Nimm deine alten
Nimm deine neuen
Schuhe und Schreie
Und den Wind
Der aus der Demütigung
Die Demut macht
Die Klinge, die
Die Kleinheit mäht
Und Würde erntet
Nimm das Gestrüpp
Unter dem nichts falsch ist
Und bau Nester
Für die Fremden
Die sich suchen
Und mit dem Finger zeigen
Lass uns uns treffen
Im Irrtum
Sag nicht
Wegen dir bin ich groß
Oder klein
Sag
Wegen mir
Bin ich frei

2017

Herz

Als dein Hunger stillte
Und dein Schmerz
Die Welt herblüht
Als der Boden
Und der Himmel
Und dies Herz:
In jener Mitte
Still, ich mein‘ nicht stumm
Lieb, ich meine nicht zum Schutz
Als es sich ganz
Über Weltendächer
Himmelszelte
Wolkenwiesen
Als es dich wieder
In die Gänze schlug

2020

Neuanfang

Die Kraft des Neuanfangs
Und seine Gnade
Erschließen sich den Mutigen
Die das Gestern gestern lassen
Und das (noch) unfertige Heute wagen
Weißt du
Manchmal muss ich meinen Mut sammeln
Wie Pilze im Sommer
Schnee im Herbst
Kastanien im Winter
Ohne Hände Hände haben
Einen Marathon laufen
Ohne je dafür trainiert zu haben
Mit leeren Taschen Hoffnung schenken
Gebückt in der Grube
Oben neue Pflänzchen pflanzen
Weißt du
Manchmal muss ich meinen Mut
Wirklich erstmal neu erfinden
Doch dann
Wenn ich ein paar ganz ganz alte Häuser verlassen
Und die alten Bande alt, gesehen, verziehen gelassen
Wenn ich alte Träume an den Nagel gehängt
Und alte Wunden nach Hause gelenkt
Wenn ich NICHTS
Als nur da draußen begriffen habe
Sondern:
Alles(!) was mir in mir begegnet
Das hat mit mir zu tun
Wenn ich das also hab‘
Dann erzähl mir nicht
Dass irgendetwas unveränderbar ist
Sondern erzähl mir von den Tatsachen
Die wir uns in unsere Taschen stecken können
Damit wir die Hände frei haben
Für das unbekannte Land
Das noch unbekannte, unbenannte Glück
Das auf uns wartet
Ich meine nicht im Himmel
Nicht vor unserer Tür
Sondern wirklich, wirklich
Hier

No matter what